Heute wäre Joseph Beuys 100 Jahre alt geworden. In Kassels Stadtbild ist sein Werk eindrucksvoll sichtbar. Die Aktion "7000 Eichen – Stadtverwaldung statt Stadtverwaltung" verband zwei documenta-Ausstellungen und ist damit einmalig in der Geschichte der documenta. Während Kasseler*innen heute die durch das Kunstwerk zusätzliche Begrünung schätzen und das Projekt über die Jahre weltweit große Anerkennung fand, stieß die Pflanzaktion während ihres Beginns auf große Kritik und Protest in der Bevölkerung. Doch bei weitem nicht nur wegen der sogenannten Beuys Bäume erinnern wir heute an den Künstler.
Als Kunstprofessor prangte Beuys unter anderem die Hürden in unserem Bildungssystem an. Er nahm Studierende in seine Klasse auf, die aufgrund des Auswahlverfahrens in anderen Klassen abgelehnt worden waren und besetzte gemeinsam mit abgelehnten Studierenden Sekretariate um deren Aufnahme zu erwirken, bis er schließlich vom Land NRW deswegen aus dem Dienst entlassen wurde.
Beuys Kunst war und ist politisch. Mit dem von ihm erweiterten Kunstbegriff werden alle Menschen potenziell als Künstler*innen verstanden, die Kunst hervorbringen und die Gesellschaft verändern können. Mit Kunst können Menschen kreativ die Verhältnisse, in denen sie zusammenleben verändern. Beuys formulierte den Anspruch mit Kunst gestaltend auf die Gesellschaft einzuwirken und prägte damit maßgeblich das sich wandelnde Kunstverständnis.